📜 Dichter · 1890–1964

Mela Muhemmed Çirûstanî

مەلا محەممەدی چروستانی

← Alle Literaten

Überblick

Mela Muhemmed Çirûstanî (bürgerlich Mela Muhemmedê ʿEbdulrehamîn) war ein angesehener kurdischer Geistlicher und Dichter des 20. Jahrhunderts – ein „Mela-Dichter“, der das Rückgrat der klassischen kurdischen Literatur mitbildete.

Herkunft und Kindheit

Mela Muhemmed wurde 1890 im Dorf Abłax geboren – damals ein eigenständiges Dorf am Rande von Silêmanî, heute ein Stadtviertel der Metropole. Er wuchs in einem von religiösen Werten und kurdischer Stammeskultur geprägten Umfeld auf.

Der Weg des Wissens (Feqêtî)

Wie begabte junge Männer seiner Generation schlug er die Laufbahn eines Feqî ein. Seine Ausbildung war nicht ortsgebunden: Er durchwanderte verschiedene Regionen Kurdistans, um bei den renommiertesten Meistern Theologie, Recht und die Sprachen Kurdisch, Arabisch und Persisch zu vervollkommnen. Auf diesen Reisen kam er intensiv mit der klassischen Poesie der Baban-Schule (Nali, Mahwî) in Berührung, was seinen Stil maßgeblich prägte.

Wirken als Mullah

Nach Erhalt der Lehrbefugnis diente er in zahlreichen Dörfern und Städten als Vorbeter, Lehrer und Ratgeber. Seine letzte und bedeutendste Station war die Neqîb-Moschee (Mizgeftî Neqîb) in Silêmanî, ein wichtiges religiöses und soziales Zentrum, wo er bis zu seinem Lebensende wirkte und für Gelehrsamkeit und bescheidene Lebensweise hohes Ansehen genoss.

Literarisches Schaffen und Tod

Er schrieb unter seinem Herkunftsnamen Çirûstanî. Sein Werk blieb den klassischen Formen (besonders dem Ghasel) treu und behandelte religiöse Hingabe, moralische Unterweisung und die Liebe zur kurdischen Heimat und Natur – in reinem, würdevollem Sorani, das Gelehrten wie einfachem Volk zugänglich war. Er starb im April 1964 in Silêmanî und wurde auf dem historischen Friedhof Girdî Joge beigesetzt. Er bleibt als einer jener stillen Bewahrer der kurdischen Identität in Erinnerung, die durch Wirken in den Moscheen und ihre Dichtung Sprache und Kultur über schwierige Zeiten retteten.

Einordnung und Zeitgenossen

Zeitlich gehört Mela Muhemmed Çirûstanî (1890 – 1964) in die Zeit der Presse und frühen Moderne (1898–1945), Region Başûr. Zeitgenossen im Datensatz der Akademie: ʿEbdulrehman Begî Baban („Babe“), Mela Ebas Hilmî Kakayî, Shaho (Mela Hesen), Mela Husên Fanî. Einen Überblick über die Strömungen gibt die Seite Epochen & Schulen.