Überblick
Mela Elî, mit bürgerlichem Namen Huseyn Mewlûd Ehmed, war ein kurdischer Dichter, Student und revolutionärer Aktivist. Er wurde zu einem Symbol für den unerschütterlichen Geist der kurdischen Jugend, die in den 1970er Jahren ihr Leben dem Kampf gegen das Baath-Regime widmete.
Frühes Leben und Bildung
Huseyn wurde 1953 im Dorf Berdbird im Bezirk Mawet (Region Şarbajêr) geboren. Wegen sozialer und klassenspezifischer Unterdrückung zog die Familie 1958 in das Dorf Koke in der Surdaş-Region. Seine Schulzeit verbrachte er u. a. in Sarchinar und Mawet. 1976 schrieb er sich an der Universität Slemani in der Fakultät für Literatur (Abteilung Kurdisch) ein – das Studium konnte er nicht beenden, da er wegen politischer Aktivitäten steckbrieflich gesucht wurde und in den Untergrund ging.
Politischer Kampf und Verhaftung
Huseyn schloss sich früh der kurdischen Nationalbewegung an. 1974 übernahm er eine führende Rolle in der Organisation „Tole“ (Rache) innerhalb der Komeley Renjderanî Kurdistan und war an städtischen Partisanenaktionen beteiligt. Am 30. Januar 1979 wurde er während einer verdeckten Operation im Dorf Kirjhe (Region Surdaş) von den Sicherheitskräften des Baath-Regimes entdeckt und verhaftet.
Schauprozess und Hinrichtung
Nach Monaten schwerster Folter wurde er am 6. Juni 1979 vor das berüchtigte „Sondergericht“ (Heyʾey Xase) in Kirkuk gestellt und in einem kurzen Schauprozess ohne Verteidiger zum Tode verurteilt. Nur 45 Tage später, in der Nacht vom 22. auf den 23. Juli 1979, wurde Mela Elî im Gefängnis von Mossul hingerichtet – zusammen mit seinen Mitstreitern Ełwend ʿUmer Husên und Elî Alî Husên. Sein Tod mit nur 26 Jahren hinterließ eine tiefe Lücke in der kurdischen revolutionären Kulturszene.
Literarisches Erbe
Sein Werk wurde erst lange nach seinem Tod gesammelt: 2011 veröffentlichte die Zweigstelle Slemani des Kurdischen Schriftstellerverbandes seinen einzigen Gedichtband Şiʿr û Hełwêst (Poesie und Haltung). Seine Lyrik ist geprägt von Patriotismus (er opferte sein persönliches Glück dem Schicksal Kurdistans), sozialem Bewusstsein (er sah sich als Teil der „unterdrückten Klasse“) und melancholischer Romantik – Liebesgedichte, oft im Angesicht des Todes geschrieben.
„Alles wurde zum Juni“ (patriotische Verse)
Anspielung auf die bittere Zeit der Unterdrückung.
„Ein Geheimnis im Angesicht des Todes“ (Liebeslyrik)
Eine Liebe im Schatten des Galgens.
Einordnung und Zeitgenossen
Zeitlich gehört Mela Elî (1953 – 1979) in die Nachkriegszeit und Gegenwart (ab 1945), Region Başûr. Zeitgenossen im Datensatz der Akademie: Mela Husên Fanî, Lutfî (Şêx Letîf), Şêx Ehmed Şakelî, Şêx Muhemmedî Hilmî. Einen Überblick über die Strömungen gibt die Seite Epochen & Schulen.