📜 Dichter · 1953–1979

Mela Elî (Huseyn Mewlûd Ehmed)

مەلا عەلی

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Überblick

Mela Elî, mit bürgerlichem Namen Huseyn Mewlûd Ehmed, war ein kurdischer Dichter, Student und revolutionärer Aktivist. Er wurde zu einem Symbol für den unerschütterlichen Geist der kurdischen Jugend, die in den 1970er Jahren ihr Leben dem Kampf gegen das Baath-Regime widmete.

Frühes Leben und Bildung

Huseyn wurde 1953 im Dorf Berdbird im Bezirk Mawet (Region Şarbajêr) geboren. Wegen sozialer und klassenspezifischer Unterdrückung zog die Familie 1958 in das Dorf Koke in der Surdaş-Region. Seine Schulzeit verbrachte er u. a. in Sarchinar und Mawet. 1976 schrieb er sich an der Universität Slemani in der Fakultät für Literatur (Abteilung Kurdisch) ein – das Studium konnte er nicht beenden, da er wegen politischer Aktivitäten steckbrieflich gesucht wurde und in den Untergrund ging.

Politischer Kampf und Verhaftung

Huseyn schloss sich früh der kurdischen Nationalbewegung an. 1974 übernahm er eine führende Rolle in der Organisation „Tole“ (Rache) innerhalb der Komeley Renjderanî Kurdistan und war an städtischen Partisanenaktionen beteiligt. Am 30. Januar 1979 wurde er während einer verdeckten Operation im Dorf Kirjhe (Region Surdaş) von den Sicherheitskräften des Baath-Regimes entdeckt und verhaftet.

Schauprozess und Hinrichtung

Nach Monaten schwerster Folter wurde er am 6. Juni 1979 vor das berüchtigte „Sondergericht“ (Heyʾey Xase) in Kirkuk gestellt und in einem kurzen Schauprozess ohne Verteidiger zum Tode verurteilt. Nur 45 Tage später, in der Nacht vom 22. auf den 23. Juli 1979, wurde Mela Elî im Gefängnis von Mossul hingerichtet – zusammen mit seinen Mitstreitern Ełwend ʿUmer Husên und Elî Alî Husên. Sein Tod mit nur 26 Jahren hinterließ eine tiefe Lücke in der kurdischen revolutionären Kulturszene.

Literarisches Erbe

Sein Werk wurde erst lange nach seinem Tod gesammelt: 2011 veröffentlichte die Zweigstelle Slemani des Kurdischen Schriftstellerverbandes seinen einzigen Gedichtband Şiʿr û Hełwêst (Poesie und Haltung). Seine Lyrik ist geprägt von Patriotismus (er opferte sein persönliches Glück dem Schicksal Kurdistans), sozialem Bewusstsein (er sah sich als Teil der „unterdrückten Klasse“) und melancholischer Romantik – Liebesgedichte, oft im Angesicht des Todes geschrieben.

„Alles wurde zum Juni“ (patriotische Verse)

Anspielung auf die bittere Zeit der Unterdrückung.

Soranî · Deutsch
ھەموو مانگی ساڵ بوونە حوزەیران
Alle Monate des Jahres wurden zum Juni (Monat des Urteils),
ھەموو وەرز بوون بە وەرزی خەزان
alle Jahreszeiten wurden zum Herbst.
کام گەلی دنیا وەک کورد بێ بەشە
Welches Volk der Welt ist so entrechtet wie das kurdische?
بەرگ و کاڵایان سەرتاپا ڕەشە!
Ihre Kleider und Gewänder sind ganz und gar schwarz!
ھیچ ماڵێک نییە بێ قوربانی بێ
Es gibt kein Haus ohne Opfer,
ساتێکی ژینی شادمانی بێ
keinen Moment freudigen Lebens.
ئێستا ژینی خۆم ھێند لا ھەرزانە
Jetzt ist mir mein eigenes Leben so wenig wert,
سەد جار قوربانی ئەم کوردستانە
dass ich es hundertmal für Kurdistan opfern würde.

„Ein Geheimnis im Angesicht des Todes“ (Liebeslyrik)

Eine Liebe im Schatten des Galgens.

Soranî · Deutsch
ئێستا ئومێدم ھێندە لاوازە
Jetzt ist meine Hoffnung so schwach,
ناتوانم بڵێم: ئەمێنم تازە
dass ich nicht mehr sagen kann: Ich werde bleiben.
مردووم و نانی زیندووان ئەخۆم
Ich bin ein Toter, der das Brot der Lebenden isst,
تازە ناتبینم، ئازیزەکەی خۆم
ich werde dich nicht mehr sehen, meine Liebste.
من تۆم لەبەر خۆم خۆش نەویستووە
Ich habe dich nicht um meinetwillen geliebt,
کەسیش ئەم «ڕاز»ەی لێم نەبیستووە
und niemand hat dieses „Geheimnis“ von mir gehört.
ئێستاش ئەم ڕازە کە ئەدرکێنم
Wenn ich dieses Geheimnis jetzt ausspreche,
ویژدانی ماتی خۆمە ئەیدوێنم
spreche ich nur zu meinem eigenen, stillen Gewissen.

Einordnung und Zeitgenossen

Zeitlich gehört Mela Elî (1953 – 1979) in die Nachkriegszeit und Gegenwart (ab 1945), Region Başûr. Zeitgenossen im Datensatz der Akademie: Mela Husên Fanî, Lutfî (Şêx Letîf), Şêx Ehmed Şakelî, Şêx Muhemmedî Hilmî. Einen Überblick über die Strömungen gibt die Seite Epochen & Schulen.