📜 Dichter · 1948–1980

Jemîl Renjber (Jemîl Salih Goran)

جەمیل ڕەنجبەر

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Überblick

Jemîl Renjber, mit bürgerlichem Namen Jemîl Salih Goran, war ein bedeutender kurdischer Dichter und Peshmerga-Kämpfer aus Erbil (Hewlêr). Er gehörte zu jener Generation kurdischer Intellektueller, die Feder und Waffe gleichermaßen in den Dienst der nationalen Befreiungsbewegung stellten; seine Poesie brach mit traditionellen Formen und widmete sich dem modernen, freien Vers.

Frühes Leben und Werdegang

Jemîl wurde 1948 in Erbil geboren. Nach der Schulausbildung in seiner Heimatstadt begann er 1967 als Lehrer im Dorf Mêrgesûr – wie viele Lehrer seiner Zeit ein wichtiger Multiplikator für nationales Bewusstsein und Bildung in den ländlichen Gebieten Kurdistans.

Politischer Kampf und Gefangenschaft

Mit dem Erstarken der Nationalbewegung schloss er sich 1974 aktiv der Revolution gegen das Zentralregime in Bagdad an. Nach dem Scheitern des Aufstands infolge des Abkommens von Algier (1975) floh er kurzzeitig in den Iran, kehrte jedoch in den Untergrund nach Kurdistan zurück. 1977 wurde er verhaftet und zu lebenslanger Haft verurteilt; nach einer Generalamnestie freigelassen, kehrte er ungeachtet der Gefahr unmittelbar in den bewaffneten Widerstand zurück und schloss sich erneut den Peshmerga an.

Märtyrertum

Am Nachmittag des 18. November 1980 wurde seine Einheit im Dorf Jelkan (nahe Sengeser am Fuße des Kêwe-Reş-Gebirges) von zwei Kampfhubschraubern des irakischen Regimes angegriffen. Acht Peshmerga fielen, unter ihnen Jemîl Renjber. Sein Leichnam wurde nach Erbil überführt und auf dem Friedhof Seyid Maʿrûf beigesetzt.

Literarisches Werk

Jemîl Renjber begann mit 18 Jahren zu dichten. Als Vertreter der modernen kurdischen Poesie verzichtete er auf klassische Reimschemata und Metren. Seine Lyrik verbindet revolutionäres Pathos (Schmerz, Widerstand und Hoffnung seines Volkes), soziale Kritik (Armut und die Last veralteter Traditionen – das Liebespaar „unter dem Messer alter Sitten“) und tiefe Emotionalität, oft in Bildern von „Wunden“ und „Rauch“. Eine Kostprobe: „Ich gehe, um ein Gedicht aus dem Gedächtnis meiner Wunden zu graben, dessen Tinte nur den Wert meiner Gefühle trägt. […] Ich suche ein Gedicht aus dem Gedächtnis meiner Wunden, das ein Schauplatz ist: für Armut und die stummen Taschen der Not, eine eingestürzte Brücke… auf der die Sänfte der Geliebten steht.“

Einordnung und Zeitgenossen

Zeitlich gehört Jemîl Renjber (1948 – 1980) in die Nachkriegszeit und Gegenwart (ab 1945), Region Başûr. Zeitgenossen im Datensatz der Akademie: Mela Husên Fanî, Lutfî (Şêx Letîf), Şêx Ehmed Şakelî, Şêx Muhemmedî Hilmî. Einen Überblick über die Strömungen gibt die Seite Epochen & Schulen.