Überblick
ʿArif ʿUrfî vereinte zwei selten verbundene Welten – die feingeistige Welt der klassischen Poesie und die strenge Realität des Polizeidienstes: der „Dichter im Kommissarsmantel“.
Herkunft und frühe Jahre
ʿArif wurde 1896 im Viertel Goizha in Silêmanî geboren und verlor als kleines Kind beide Eltern; als Waise wuchs er bei seinem Onkel auf, der ihm eine gute Erziehung ermöglichte. Er besuchte zunächst die Hujra, später die osmanische Militärschule (Ruşdiye) in Silêmanî; sein Plan, in Bagdad weiterzustudieren, scheiterte am Ausbruch des Ersten Weltkriegs.
Ein kurdischer Soldat in Indien
Als Soldat kämpfte er an den Fronten des Osmanischen Reiches und geriet in britische Kriegsgefangenschaft; die Briten deportierten ihn nach Indien. Diese Jahre in der Fremde weiteten seinen Horizont und klingen als Echo der Melancholie in seinem späteren Werk nach. Nach dem Krieg kehrte er nach Silêmanî zurück.
Der „gerechte Kommissar“
Durch Vermittlung von Mustafa Pasha Yamulki trat er in den Polizeidienst ein und wurde Polizeioffizier (Kommissar) in fast allen bedeutenden Städten der Region (Silêmanî, Halabja, Penjwen, Qaladze, Çwarta, Hewlêr). 25 Jahre blieb er im Dienst, bis 1949. In einer Zeit, in der die Polizei als Instrument der Unterdrückung galt, war ʿArif eine Ausnahme – Nejmedîn Mela schrieb: „In 25 Jahren hat er niemals jemandem Schaden zugefügt.“ Er war als der „Polizist mit dem reinen Herzen“ bekannt.
Stil, Name und Vermächtnis
Er wählte den Künstlernamen ʿUrfî (der Formelle/Traditionelle); im Volk hieß er auch „ʿArif Qap Reş“ (nach einem körperlichen Merkmal). Sein Werk steht in der kurdischen Klassik – er füllte die strenge Ghaselform mit den Erfahrungen eines Mannes, der die Welt gesehen hatte, und behandelte die Vergänglichkeit des Lebens, soziale Gerechtigkeit und die Liebe zur Heimat. Er starb am 1. Dezember 1961 an einer Herzerkrankung und wurde auf seinen Wunsch auf dem Girdî Seywan inmitten der großen Dichter seiner Stadt beigesetzt – er bewies, dass man im Staatsapparat dienen kann, ohne seine Prinzipien oder Identität zu verlieren.
Einordnung und Zeitgenossen
Zeitlich gehört ʿArif ʿUrfî (1896 – 1961) in die Zeit der Presse und frühen Moderne (1898–1945), Region Başûr. Zeitgenossen im Datensatz der Akademie: ʿEbdulrehman Begî Baban („Babe“), Mela Ebas Hilmî Kakayî, Shaho (Mela Hesen), Mela Husên Fanî. Einen Überblick über die Strömungen gibt die Seite Epochen & Schulen.