Überblick
Ahmed Shalî war ein angesehener kurdischer Dichter, Schriftsteller, Jurist und hochrangiger Verwaltungsbeamter. Er gehörte zur intellektuellen Elite von Slemani und leistete bedeutende Beiträge zur kurdischen Literatur, insbesondere durch seine Übersetzungen klassischer persischer Werke.
Herkunft und Ausbildung
Ahmed Shalî wurde 1924 im Viertel Dergezên in Slemani geboren, als Sohn des Hajî Faqê Shalî. Seine Ausbildung begann klassisch in einer Hujra, wo er die persische Sprache sowie die Meisterwerke Gulistan und Bustan von Saadi studierte. Seine Schullaufbahn führte über die Xalidîye-Grundschule in Slemani zur Vorbereitung an der American University und schließlich an die Universität Bagdad, wo er 1950 sein Studium an der Juristischen Fakultät abschloss.
Verwaltungs- und Staatsdienst
Aufgrund seiner juristischen Ausbildung bekleidete er wichtige Ämter im irakischen Staatsdienst: als Nahiye-Direktor (Bezirksleiter), Qaymeqam (Bezirksgouverneur) und stellvertretender Gouverneur, insbesondere in der Provinz Mosul.
Politisches Engagement und September-Revolution
Ahmed Shalî war tief mit der kurdischen Nationalbewegung verbunden. 1964 schloss er sich der September-Revolution (Şorişî Eylûl) unter Mustafa Barzanî an. 1974 wurde er im Rahmen der kurdischen Selbstverwaltung zum stellvertretenden Gouverneur von Duhok ernannt. Nach dem Scheitern der Revolution infolge des Abkommens von Algier (1975) wurde er vom irakischen Regime zwangsweise nach Bagdad versetzt und in den Ruhestand geschickt.
Literarisches Werk
Unter dem Pseudonym „E. Ş.“ (ئ. ش) veröffentlichte er zahlreiche Gedichte und Artikel in den bedeutendsten kurdischen Zeitschriften seiner Zeit, darunter Gelawêj, Nizar und Jîn. Sein wichtigstes Vermächtnis ist die Übersetzung der Vierzeiler (Rubaiyat) von Omar Khayyam ins Kurdische – ein Zeugnis seiner tiefen Kenntnis der persischen Klassik und seines Bestrebens, die kurdische Literatur durch Weltliteratur zu bereichern. Das Werk wurde postum 1999 in Slemani veröffentlicht.
Privatleben und Tod
Ahmed Shalî war zweimal verheiratet und hinterließ drei Töchter (Aheng, Kocher und Berîvan). Er verstarb am 14. Februar 1977 an den Folgen einer Herzerkrankung und wurde in Slemani auf dem Friedhof Girdî Hajî Ewła beigesetzt.
Einordnung und Zeitgenossen
Zeitlich gehört Ahmed Shalî (1924 – 1977) in die Nachkriegszeit und Gegenwart (ab 1945), Region Başûr. Zeitgenossen im Datensatz der Akademie: Mela Husên Fanî, Lutfî (Şêx Letîf), Şêx Ehmed Şakelî, Şêx Muhemmedî Hilmî. Einen Überblick über die Strömungen gibt die Seite Epochen & Schulen.