📜 Dichter · 1830–1890

Feqê Qadrî Hemewend (Abdulkadir)

فەقێ قادری هەمەوەند

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Überblick

Feqê Qadrî Hemewend (bürgerlich Abdulkadir) war ein bedeutender kurdischer Dichter aus dem kriegerischen Stamm der Hemewend, der – wie viele Gelehrte seiner Zeit – im Gorani-Dialekt (Hewramî) dichtete, damals der vornehmen Literatursprache Süd- und Ostkurdistans.

Herkunft und Sprache

Feqê Qadrî gehörte dem einflussreichen, kriegerischen Stamm der Hemewend an und wurde in der Region Silêmanî geboren, wo er auch starb. Obwohl er in einem Sorani-sprachigen Umfeld lebte, verfasste er seine Poesie im Gorani-Dialekt (Hewramî), der damals als vornehme Literatursprache galt. Als klassischer Feqê (Religionsschüler) hatte er eine fundierte Medresen-Ausbildung; in seinen Versen nannte er sich bescheiden „Zelîl û Zeʿîf“ (der Geringe und Schwache).

Themen und Stil

Seine Themen waren vor allem religiöser Natur: moralische Unterweisungen sowie philosophische Klagen über die Ungerechtigkeit und die Wankelmütigkeit des Schicksals. Er verband die raue Realität seines Stammeslebens mit der feinen, spirituellen Tiefe der Gorani-Poesie.

Die Wankelmütigkeit der Welt

Feqê Qadrî beschreibt die Welt als Marktplatz, auf dem Glück und Leid in ständigem Wechsel gegenüberstehen.

Gorani (Umschrift) · Deutsch
Her posen bazarî dunyay dilferîb,
So ist er beschaffen, der Marktplatz der täuschenden Welt:
Ga şehd menoşo, ga zehreş nesîb.
Mal trinkt man Honigseim, mal ist das Gift das Los.
Ga renj û elem, ga genj, ga ʿusret,
Mal sind da Mühsal und Schmerz, mal ein Schatz, mal die Not,
Ga girye û zarî, ga ʿeyş û ʿuşret.
mal ist da Weinen und Klagen, mal Genuss und Geselligkeit.
Ga feth û şikist, ga şadî û mezaq,
Mal ist da Sieg und Niederlage, mal Freude und Geschmack,
Ga wesl û surûr, ga huzn û meraq.
mal die Vereinigung und Wonne, mal Trauer und Sehnsucht.
Dunyay dehrî dûn herdem bê sayen,
Diese niedere Welt der Zeit ist stets ohne beständigen Schatten,
Sayeş çun sayey hecer bê mayen.
ihr Schatten ist wie der eines Steins – flüchtig und ohne Substanz.
Her kes terkiş kerd bew kes mebo ram,
Wer ihr entsagt, dem wird sie sich fügen,
Her kes talib bî jêş ʿasîn medam.
doch wer sie begehrt, dem wird sie ewig widerspenstig sein.

Hintergrund & Bedeutung

  1. Die Dualität des Lebens: Mit der Antithese (Honig vs. Gift, Sieg vs. Niederlage) zeigt er, dass das Leben in der materiellen Welt niemals stabil ist.
  2. Der Schatten des Steins: „Ihr Schatten ist wie der eines Steins“ – ein Stein wirft nur einen kleinen, harten Schatten, der kaum Schutz bietet: Sinnbild für die Nutzlosigkeit weltlicher Güter.
  3. Sufistische Lehre: Die Welt (Dunya) ist wie eine spröde Geliebte – läuft man ihr nach, flieht sie; wendet man sich ab, kommt sie. Wahre Freiheit liegt im Verzicht (Terk).

Einordnung und Zeitgenossen

Zeitlich gehört Feqê Qadrî Hemewend (1830 – 1890) in die Zeit der Babani-Schule und der Sorani-Klassik (ca. 1800–1850), Region Başûr. Zeitgenossen im Datensatz der Akademie: Hajî Qadirî Koyî, Şêx Reza Talebanî, Jafayî (Mela Elî), Mahwî (Mela Muhemmedê Balxî). Einen Überblick über die Strömungen gibt die Seite Epochen & Schulen.